Lancer 2000 EX Turbo

Einst die schnellste japanische Serienlimousine, danach reihenweise verheizt und/oder verrostet und heute schon fast sowas wie der (h)eilige Gral unter Fans alter aufgeladener  Mitsubishi.

 

Das ist der Lancer 2000 EX Turbo.

 

Unser Exemplar wechselte 1997 von der ersten in die zweite Hand, erhielt einen neuen Turbolader sowie eine neue Kupplung. Ein Satz Felgen von einem Starion bildeten zum Glück die einzige Umbaumassnahme in dieser Zeit.

Zeit... sie läuft auch weiter wenn ein Auto in einer Halle steht und sie ist meist erbarmungslos.

Der schnelle Schwarze wurde 2003 stillgelegt (aus diesem Jahr war zumindest die neuste Zeitschrift auf dem Rücksitz) und kam 2012 aus seinem dunklen Verlies zurück ans Tageslicht.
Und am Tageslicht sieht man ja meist alles.
Durch Beton sickerndes Wasser hatte ganze Arbeit geleistet, den Llack komplett ruiniert, den Frontscheibenrahmen angegriffen und sich sogar irreparabel ins Glas eingefressen.

Bei einer kurzen Fahrt über den Vorplatz fiel der eher unruhig laufende Motor auf.
Nun gut, neue Kerzen, alles einstellen und das Problem wäre wohl gelöst.
Wäre... wenn da nicht bei genauerem hinsehen so komische Gummibrösel unter der Zahnriemenabdeckung hervorschauen würden.
Der separate kleine Zahnriemen der Ausgleichswelle hatte sich nämlich altershalber komplett aufgelöst und wäre um ein Haar in sein grosses Pendant geraten, welches den Antrieb der Nockenwelle übernimmt.
Eine längere Fahrt hätte in diesem Fall zum kapitalen Motorschaden geführt.
Zwei neue Zahnriemen sowie ein neuer Keilriemen beruhigen nun das Gewissen wieder einige Jahre.

Die Karosseriearbeiten hielten sich mit wenigen Schweissarbeiten am Frontscheibenrahmen und den hinteren Endspitzen in überschaubaren Grenzen.
Auf einer der Türen waren lauter kleine Blasen zu sehen, ein in den 80ern schlecht reparierter Parkschaden.
Es brauchte eine ganze Packung (10stk) Schleifscheiben mit 80er Körnung um das ganze Flickwerk aus Polyesterspachtel bis auf das Blech abzutragen um die Tür diesmal RICHTIG ausbeulen zu können.

Da das Auto ja sonst keine Überraschungen mehr zu bieten hatte, machte sich zu allem Übel eines Nachts auch noch ein Marder am Originalen Heckspoiler aus PU-Schaum zu schaffen und zerfledderte das Ding kurzerhand.
Und Nein, dieser Spoiler ist weder für Geld oder für gute Worte aufzutreiben.
Zum Glück konnten hier zwei geschickte Kollegen aushelfen. Einer weis wie man eine Negativform herstellt um fehlende Teile aufzuschäumen. Der Andere wie man das ganze lackiert um eine flexible, saubere Oberfläche zu erhalten. Gerettet!

Als der Wagen in neuem 2-Schicht Lack erstrahlte, wurde eine neue Frontscheibe (für CHF 115.- ergattert, NEU!), neue Embleme, neue Fensterzierstäbe, neue Aussenspiegel und neue Fensterschachtabdichtungen montiert.
Nach 7 Wochen warten, hatten wir auch die allerletzten ab Werk lieferbaren Zierstäbe für Haube, Kofferraum und Schwellen vorrätig.

Was wäre ein Lancer Turbo ohne seine Kriegsbemalung?
Die Zierstreifen und den obligaten "TURBO 2000" Schriftzug (spiegelverkehrt, damit jeder wusste was da von hinten anfliegt) für die Front waren für kleines Geld als nachfertigungen in England aufzutreiben.

Nie was wegwerfen, vorallem nicht originale Felgen.
Diese mussten wir nämlich nur von Spinnweben befreien, sandstrahlen und lackieren. Um etwas vom Original abzuweichen kam "A69 Satellite Silver" zum Einsatz... ein Farbton vom Evo. Sieht sogar noch toll aus, wenn man es nachts noch rasch in der Werkstatt lackiert.
Ein befreundeter Reifenhändler hatte einen passenden Satz Pirelli P6 Cinturato aus aktueller Produktion (!) auf Lager. Denn in der Dimension welche einst sportlichen Limousinen vorbehalten war, gibt es heute fast nur noch so komische Ökoreifen für Kleinwagen... da ist der P6 schon rein optisch passender.

So war es dann also Zeit für die erste Ausfahrt die mit einem neuen Zündschlüssel gestartet werden konnte.
Wir hatten nämlich noch passende Rohlinge um das schon arg abgewetzte Exemplar zu ersetzen.